www.energiesparendes-krankenhaus.de
 ESK/Ausgezeichnete Krankenhäuser/Baden-Württemberg/Vinzenz von Paul Hospital Rottweil/Technische Details
    
 

Vinzenz von Paul Hospital Rottweil


TECHNISCHE FAKTEN

Vinzenz von Paul Hospital gGmbH

 

Für Ihr Klimaschutzengagement erhält das Vinzenz von Paul Hospital in Rottweil am 13. April 2006 das BUND-Gütesiegel „Energie sparendes Krankenhaus“ vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND). Im Vergleich zum Jahr 2000 werden inzwischen jährlich über 1.500 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

 

Im Folgenden werden der Ausgangszustand und die Leistungen dargestellt, die zu einer gesteigerten Energieeffizienz und Energieeinsparung im Vinzenz von Paul Hospital führten. Im Rahmen der Entwicklung eines neuen Wärmeversorgungskonzeptes standen die Ressourcenschonung und die effiziente Verbindung von Ökologie und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund.

 

 



 

 

Ausgangszustand: Situation der Wärmeerzeugungsanlagen bis Mitte 2004

  • Die Wärmeversorgung der Einrichtung erfolgte über zwei Hochdruckdampfkessel mit einer Leistung von 2 x 4 MW und einem Druck von 17 bar sowie seit 1993 über ein Blockheizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 200 kW und einer thermischen Leistung von 350 kW. Die hauseigene Großküche und die Wäscherei wurden ebenfalls über die beiden vorhandenen Kessel mit Dampf versorgt.
  • Die hydraulische Anbindung des Blockheizkraftwerkes in das Wärmeversorgungsnetz des Krankenhauses konnte nicht zufrieden stellend gelöst werden. Daher konnte das Blockheizkraftwerk nicht mit optimaler Auslastung gefahren werden.
  • Die Warmwasserbereitung erfolgte zentral in zwei Gebäuden mit einer Warmwasserleitung in die zu versorgenden Bereiche.
  • Die hohe Oberflächentemperatur der Versorgungsleitungen führte zu hohen Wärmeverluste und einem schlechten Wirkungsgrad des Gesamtsystems.
  • Der durch die Energieversorgung hervorgerufene Kohlendioxidausstoß betrug über 5.000 Tonnen pro Jahr.

 

 



Der alte Kessel


Der neue Kessel

 

 

 

Effizienzsteigerung durch Modernisierungsmaßnahmen seit Mitte 2004

  • Die Dampfversorgung wurde auf eine Niedertemperatur-Warmwasserheizung umgestellt. Zwei Niedertemperaturkessel mit einer Leistung von zusammen 5,8 MW sind nun im Einsatz. Durch diese Umstellung wurde eine enorme Effizienzsteigerung erreicht. Die moderne Kesseltechnologie sowie die reduzierten Wärmeverluste durch niedrigere Mediumstemperaturen (95°C/75°C) in der Nahwärmeleitung bewirken eine wesentliche Erhöhung des Systemwirkungsgrades. Dieser liegt beim neuen System bei ca. 85% gegenüber ca. 56% vor der Modernisierung.
  • Die Wärmegrundlast wird nun über zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) abgedeckt, die gleichzeitig auch Strom erzeugen. Sie verfügen über eine elektrische Leistung von 420 kW und einer thermischen Leistung von 700 kW. Durch die doppelte Energieausnutzung (Strom und Wärme) weist dieser Kraftwerkstyp einen besonders hohen Wirkungsgrad von ungefähr 85% auf. 
     
  • Die Dampfversorgung für die Küche und die Wäscherei wurde vom Nahwärmenetz abgekoppelt. Eine separate Niederdruck-Dampferzeugung, bestehend aus einem Dampfkessel mit einer Leistung von 1.000 kg/h und einem Schnelldampferzeuger der als Reserve dient, wurden installiert. Dies ermöglicht nutzungsorientierte Betriebsparameter und Einschaltzeiten.
  • Die Trinkwassererwärmung wurde dezentralisiert. Jedes Gebäude wurde mit einer eigenen Trinkwassererwärmungsanlage ausgestattet, die bedarfsgerecht ausgelegt wurde und über eine Wärmeübergabestation von der Nahwärmeleitung energetisch versorgt wird. Somit sind die Warmwasserleitungswege recht kurz, was hygienisch vorteilhaft und energetisch sinnvoll ist.
  • Die Wärmeversorgung für die 800 Meter vom Technikgebäude entfernte Gärtnerei wurde abgekoppelt. Damit konnte die Dimensionierung der Nahwärme-Rohrleitung kleiner gewählt und der Medientransport effizienter gestaltet werden. Zur Erwärmung der Gewächshäuser werden nun direktbefeuerte Warmluftgebläse eingesetzt, die für diese Nutzungsart besonders geeignet sind und über einen guten Wirkungsgrad verfügen.
  • Die Gebäudeautomation wurde erneuert und auf LON-Bus-Technologie umgestellt. Mit Hilfe dieser Regeltechnik wird der Aufbau von dezentral gesteuerten Netzen ermöglicht. Der Aufbau einer zentralen Steuereinheit entfällt. Dadurch ist das System besonders flexibel einsetzbar. Gleichzeitig ist durch das genormte Übertragungsprotokoll der offenen Bus-Struktur eine herstellerunabhängige Ankopplung verschiedener Systeme möglich.
  • Insgesamt wurden für die Modernisierungsmaßnahmen 2,8 Millionen Euro investiert.

 

 



 

 

Energiemanagement

 

Das Energiemanagement ist ein wesentlicher Baustein für die Energieeinsparung im Krankenhausbetrieb. Folgende Maßnahmen hierzu werden im Vinzenz von Paul Hospital umgesetzt:

 

  • Es erfolgt eine kontinuierliche Überwachung der Wärmeversorgung auf Basis elektronischer Datenerfassung. Auf Störungen kann somit zeitnah reagiert werden.
  • Eine Auswertung der Strom- und Heizenergiewerte erfolgt monatlich. Verbrauchsschwankungen werden somit kurzfristig erfasst, und zusammen mit dem Controlling analysiert. Mögliche Ursachen können so kurzfristig behoben werden.
  • Ein jährlich erscheinender Energiebericht informiert die Verwaltung über den Energieverbrauch und Möglichkeiten der effizienteren Energienutzung.
  • Technische Vorkehrungen zur effizienten Betriebsweise werden getroffen. Hierzu gehören die Absenkung der Raumtemperaturen, die bedarfsgerechte Fahrweise von Lüftungsanlagen, die bedarfsgerechte Schaltung der Außenbeleuchtung und der konsequente Einsatz von Energiesparleuchten und Elektronischen Vorschaltgeräten.
  • Gezielter Einkauf energiesparender Geräte und Systeme.
  • Informationsveranstaltungen für Pfleger, Mediziner, Verwaltung und Hauswirtschaft über energiesparendes Nutzerverhalten sind geplant.

 

Kontakt und Fotos:  Dieter Grimm, Technischer Leiter des Vinzenz von Paul Hospital gGmbH, d.grimm@vvph.de, Tel: +49 (0741) 241 - 2341


Bund-Gütesiegel

© BUND Berlin e.V.